Fr. 15. Dezember, 2017
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  Geschichte des TTC St. Gallen 1942 - 1965

Von unserem Ehrenmitglied Hans Eigenmann

Die Geschichte des TTC St. Gallen von 1942 bis 1965

Da keinerlei Unterlagen über die Gründung und das Bestehen des TTC St. Gallen vorliegen, versuche ich hier, mit einigen meiner persönlichen Erinnerungen die Geschichte unseres Clubs aufzurollen.

Der TTC St. Gallen wurde im Jahre 1935 gegründet. Initianten waren unter anderem Ernst Moser, Schreinermeister an der Paradiesstrasse und Hans Burkart von der Schlösslistrasse in St. Fiden.

Persönlich trat ich 1942 dem Verein bei. Der damalige Nachwuchs kam hauptsächlich aus den Reihen der kath. Jungmannschaft in St. Fiden, deren Mitglieder die Möglichkeit hatten, in ihrem damaligen Vereinslokal im Lindenhof den Tischtennis-Sport auszuüben.

Der Club erlebte im Verlaufe seines Bestehens diverse Höhen und Tiefen. Das ursprüngliche Vereinslokal war im Restaurant Klubhaus an der Klubhausstrasse hinter der Rosenbergstrasse. Das Stammlokal befand sich davor im Restaurant Rosenburg.

Gespielt wurde damals auf ein bis zwei Tischen. Kurz darauf standen wir vom Ende unseres Vereins. Wir hatten noch 4 Mitglieder. Mit einem Präsidentenwechsel und den späteren Umzug ins Restaurant Peter, oben auf dem Rosenberg, bewältigten wir die Krise. Damaliger Präsident war Dr. Werner Backes, der später Leiter der Kauffmännischen Berufsschule in Chur wurde. Unter seiner Leitung verkrachte sich der TTC St. Gallen, der immer etwas im Clynch mit den Zürcher Vereinen war, mit dem OTTV und wurde Mitglied des NWTTV. Das hatte zur Folge, dass wir praktisch ausschliesslich nur Turniere im Raume Olten und Langenthal besuchten. Eine Mannschaftsmeisterschaft bestand damals noch nicht.

Im Restaurant Peter hatten wir ebenfalls nur zwei Tische zur Verfügung. Es erfolgten dann verschiedene Wechsel an diverse Trainingsorte. Diese waren u.a. das alte Hotel St. Leonhard, die Sonne Rotmonten, das Hadwigschulhaus. In letzterem spielten wir im Treppenhaus und führten dort sogar Nat.Liga-B Spiele durch. Es war jeweils recht mühsam, die Bälle wieder im unteren Stockwerk holen zu müssen.

Dank meinen persönlichen Beziehungen gelang es uns, mit dem Schützengarten ein Abkommen zu treffen. Dort erhielten wir die Möglichkeit, entweder im Parterresaal oder dann im Frohsinnsaal zu spielen. Für allfällige Turniere stand uns dann auch der Grosse Saal zur Verfügung. Die Miete betrug Fr. 400.- pro Jahr. Ein grosser Vorteil war dabei, dass wir zweimal wöchentlich von 17.00 bis 23.30 trainieren konnten.

Der Mitgliederbestand stieg rasch derart an, dass wir sogar eine Warteliste errichten mussten. Wir hatten damals auch sehr viele Studenten von der Hochschule. So war auch der bekannt Professor Francesco Kneschaurek als damaliger Student unser Mitglied.

In der Folge wurde unser Verein Schweizermeister in der Serie B. Soviel ich mich daran erinnern kann, waren dabei in der Mannschaft Mario Pellin, Otto Hochreutener und Gerd Wröbel.

Im Jahr 1956 kam dann der grösste Aufschwung. Es war das Jahr des Aufstandes in Ungarn. Eines Tages erhielt vom Präsidenten des TTC Rohrschach einen Anruf. Er teilte mir mit, dass sie dort einen ungarischen Tischtennisspieler hätten, dessen Können jedoch weit über demjenigen ihrer eigenen Spieler liege. In der ersten Mannschaft wäre es für diesen nicht interessant. Sollten wir Interesse haben würden sie diesen Spieler gerne dem TTC St. Gallen abtreten. Ich besuchte sofort in Rorschach ein Training und lernte dort Lajos Antal kennen. Angeblich war er in Ungarn ein Spitzenspieler. Wir engagierten ihn sofort für St. Gallen und besorgten ihm auch einen Arbeitsplatz. Er brachte mir gleich noch einen ganz jungen Kollegen, Laszlo Vass, mit. Sie sollen in Ungarn im gleichen Club gepsielt haben.

In diesem Jahr war es auch, dass der STTV eine National-Liga schaffte. Die ersten Mannschaften in der obersten Liga wurden so zusammengestellt, indem man die Klassierungspunkte der stärksten 3 Spieler zusammenzählte. Nun hatten wir wohl zwei starke Spieler, in den eigenen Reihen befanden sich jedoch nur B-Spieler, die wohl sehr stark waren, deren Klassierung jedoch nicht reichte, um in die neue Nat.Liga A aufgenommen zu werden. So setze ich mich mit dem TTC Lustenau in Verbindung und engagierte den damaligen A-Spieler Hans Bösch als Grenzgänger für unsere 1. Mannschaft. Damit waren wir klassierungsmässig auf der Ebene von Silver Star Geneve eingestuft und konnten in der Nationalliga-A-Meisterschaft mitmachen.

Hans Bösch haben wir dann allerdings nie eingesetzt, dafür konnten wir aus unseren eigenen Reihen mit Gerd Wröbel rechnen, der sich damals einer Glanzform erfreute.

Der Spielbetrieb in der höchsten Liga führte dazu, dass wir sehr lange Reisen machen mussten und den Spielplan derart einteilen liessen, dass wir über das Wochenende meistens 2 Spiele austragen konnten. In der damaligen obersten Liga war der nächste Verein Blau-Weiss Zürich, dann Basel und Bern und Biel. Im Tessin hatten wir Lugano und Chiasso aufzusuchen. In der Welschen Schweiz waren in Genf selber gleich 3 Vereine und dazu kam noch Lausanne, sowie zu späteren Zeiten Monthey.

Der TTC Silver Star Geneve hatte den Schweizerischen Tischtennis-Sport mit seinen Leuten Urchetti, Meyer de Stadelhofen und Wassmer während Jahren beherrscht. Dem TTC St. Gallen gelang es damals in der Besetzung Antal, Vass und Wröbel als erstem schweizerischen Club diese Top-Mannschaft zu schlagen. Gespielt wurde damals noch jeder gegen jeden, was total 9 Spiele ergab. Ich erinnere mich noch sehr gut an das letzte Spiel. Beim Stande von 4:4 musste Gerd Wröbel gegen Wassmer antreten, der um einiges höher klassiert war. In einem begeisternden Spiel, Wassmer holte zeitweise die Bälle noch in der zweiten Zuschauerreihe, geland Gerd Wröbel der Sieg. Dieser Sieg in Geneve war damals ein derartiges Ereignis, dass auch Radio Beromünster die Meldung am Sonntag-Abend in den Sportnachrichten brachte.

Den Titel eines Schweizer Meisters verpassten wir durch eine dumme Niederlage gegen den TTC Biel mit dem damaligen Nachwuchsstar Mariotti.

1956 war dann auch das Jahr, in dem wir uns an die Durchführung eines grossen Turnieres wagten. Inzwischen war ein weiterer starker Spieler und Kollege von Antal, Imre Fancsy, zu uns gestossen. Dank geschäftlichen Beziehungen stellte die Air France uns einen Wanderpreis in Form einer Walliser Kanne zur Verfügung. Wir bestimmten diesen für die beste Mannschaftsleistung.

Die weiteren Pokale für die Kategorien A Damen und Herren wurden von unserem Mitglied Karl Bruder, Uhren- und Bijouterie in St. Fiden gestiftet.

Das Turnier war international ausgeschrieben und wir konnten es insgesamt dreimal durchführen.

Im ersten Jahr war der TTC Blau-Weiss Zürich mit seinen internationalen Spielern Birchmeier und Rosner die klar beste Mannschaft. Im drauffolgenden Jahr kann dann die internationale Konkurrenz zum Zuge. 1957 und 1958 hatten wir einen derartigen Andrang, dass wir auf total 32 Tischen in drei Sälen spielen mussten.

Allein die Beschaffung der Tische war ein Problem, so holten wir uns diese zum Teil von Rorschach und Gossau oder kauften neue hinzu.

Aus dem Teilnehmerfeld sind zu erwähnen: Breumeier von Augsburg, der im Jahre 1957 gewann und dessen Verein auch den Pokal für die beste Mannschaftsleistung erhielt. Dazu kamen 4 A-Spieler von Aschaffenburg, die gesamte Schweizer National-Mannschaft mit Urchetti, Meyer de Stadelhofen, Wassmer, Mariotti, der grösste Teil der österreichischen Nationalmannschaft, der französische Meister, der italienische Meister Radice und die italienische Meisterin. Bei den Damen war die ausländische Konkurrenz ebenfalls sehr stark vertreten. Stärkster ausländischer Spieler war wohl 1958 der in Deutschland wohnende Koszian, der dann auch das Turnier im Final gegen unseren Lajos Antal gewann. Im internationalen Doppel hatte ich das Vergnügen mit, zusammen mit Antal den dritten Platz zu belegen. Die internationale Beteiligung war derart stark, dass in der zweiten Runde kein Mitglied der Schweizerischen Nationalmannschaft vertreten war. Die guten Leistungen unseres Vereins, ganz speziell auch in den Kat. B und C führten dazu, dass der TTC St. Gallen den Pokal gewann. Das Turnier, es kostete jeweils sehr viel Geld und konnte nicht mit den Spielereinsätzen bestritten werden, wurde 1958 letztmal durchgeführt. Einige der ausländischen Spieler kamen nur, in dem ihnen die Hotelkosten bezahlt wurden.  


Dazu war auch der administrative Aufwand zu gross geworden. So war z.B. 1958 das letzte Finalspiel in der Nacht von Sonntag auf den Montag um 01:30 Uhr. Dies war bedingt durch die verschiedenen Spieler, die gleichzeitig in den Einzel-, Doppel- und Mixed-Doppelfinals vertreten waren. Trotz unseren vielen Tischen konnten wir zeitweise nur noch auf 1-2 Tischen spielen.

Der gute Ruf unseres Vereins in der internationalen Welt unseres Sports führte dazu, dass wir anschliessend die tschechische Nationalmannschaft zu einem Vergleichskampf nach St. Gallen engagieren konnten.

Der Kampf wurde in Turnier-Form ausgetragen, wobei es unserem Mario Pellin überraschend gelang, einen der Tschechen zu schlagen. 500 Zuschauer und auch die Presse mit einem 1/2 seitigen Bericht im "St. Galler Tagblatt" und in der "Ostschweiz" waren begeistert.


An die verschiedenen Präsidenten unseres Vereins kann ich mich nur teilweise erinnern. Nach Dr. Bakes folgte Karel Wettstein, der spätere Präsident des TTC Schaffhausen. Von 1949 bis 1952 war ich persönlich von St. Gallen weg und kam 1952 wieder nach St. Gallen zurück. Darauf habe ich während rund 10 Jahren das Amt eines Präsidenten ausgeübt. Mit Stolz darf ich sagen, dass wir während dieser Zeit die Blüte unseres Vereins erlebten. Da hatten wir noch Zeiten, wo wir mit dem Car zu einem Turnier gefahren sind. Ich denke dabei speziell an Männedorf. Hier waren wir mit 10 Spielern und 12 Spielerinnen vertreten.

Spätere Präsidenten waren dann noch Beat Baumberger und Röbi Eberle. Durch meinen beruflichen bedingten Wegzug von St. Gallen habe ich dann leider die Beziehungen zum TTC St. Gallen etwas verloren. Als Ersatz für meine sportliche Tätigkeit gründete ich damals den TTC Wolfhalden, mit dem unser Verein auch heute noch regen Kontakt hat.


Überhaupt dürfen wir sagen, dass wir mit einigen Vereinen der Schweiz eine sehr gute freundschaftliche Verbindung hatten. Speziell zu erwähnen sind dabei die Clubs von Rorschach, Arbon, Gossau, Herisau, Blau-Weiss Zürich, Young Stars Zürich, Silver Star Geneve, Rapid Geneve, Langenthal, Basel, Schaffhausen, Meilen und Männedorf.

Hier der Turniersieger von 1957:


22.12.1997
Hans Eigenmann
Ehrenmitlgied des TTC St. Gallen